Peruanischer Karneval: „Festividad de la Virgen del Carmen“

Paucartambo Peru

Ihr seid umgeben! Der „Plaza de Paucartambo“ hat sich in ein Strudel aus Kultur und pulsierenden Farben verwandelt! Und ihr seid mittendrin! Dem Duft von Churros, frischen Suppen und Chicharrones in der Luft ist kaum zu widerstehen!

Liebevoll dekorierte Straßen, der Klang von Trommeln und Trompeten zieht euch in den Bann, während ihr durch die Straßen schlendert. Ihr seid gefangen, reagiert nur noch und lasst euch treiben. Weicht der Masse aus, während duzende traditionell kostümierte die Straßen, Balkone und Dächer der Stadt mit noch mehr Leben füllen.

Dunkle Augen, rote Münder geziert mit burlesken Schnäuzer und einem rituellen Baby-Alpaka über den Schultern hängend. Dazu eine dekadente Robe – es sind die Qhapaq Qolla. Sie tanzen zusammen, geführt von ausgelassener Musik. Bier fließt, Essen gibt es reichlich und das Leben ist schön! Doch am Ende der 4 Tage ausgelassener Feierei sehen sich die Qhapaq Qolla den Dämonen aus der Hölle gegenübergestellt. Um ihre Mamacha, die heilige Jungfrau Carmen, zu schützen, ziehen sie in den Kampf um Leben und Tod.

…zumindest wird genau das nachgespielt.

 

Tradition erwacht zum Leben

Paucartambo heißt der Ort in dem das Fest zu Ehren von St. Carmen stattfindet. Vom 15. bis zum 19. Juli pilgern die Menschen aus ganz Peru in das Dorf in den peruanischen Anden. All das um um Zeuge zu werden und ihren Respekt an die Heilige der Mestize zu zollen. Auch bekannt als „Mamacha“ oder Jungfrau Carmen.

Das Fest als organisiert zu bezeichnen wäre übertrieben. Dennoch könnt ihr einiges erwarten:

  • Der 16. Juli ist der Haupttag des Festes. Gegen 9 Uhr wird eine einzigartige Messe gehalten, sowie die Prozession der heiligen Jungfrau gegen 3 Uhr.
  • Die Stadt ist voll von Besuchern, die nur für ein Tag kommen oder gar in der Stadt campen.
  • Essen gibt es reichlich – wenn sich die Auswahl auch auf 4-5 unterschiedliche Gerichte beschränkt.
  • Die Nächte sind wild, gefüllt mit Kostümen, Bier und Feuerwerke.

Es gibt einiges zu entdecken! Während der Feierlichkeiten werdet ihr 19 verschiedene Gruppen von kostümierten Charakteren kennen lernen. Sie tanzen durch die Straßen und und präsentieren ihre Choreographien, die die peruanische Kultur wiederspiegeln.

 

7 wichtige Charaktere des Festivals in Paucartambo

1. Maqta

Maqta characters in Paucartambo St. carmen festival

Übersetzt bedeutet der Name „junger Bauer“. Es ist die einzige Gruppe, die keinen einstudierten Tanz präsentiert. Stattdessen wandern sie frei in der Gegend herum und treiben Unfug.

  • Sie spielen mit den Besuchern und treiben ihre Scherze mit hoher Quechua-Stimme.
  • Selbst „Kinder-Maqta“ teiben ihre Scherze und schlagen ihre Peitschen.
  • In der Regel führen sie andere Gruppen an, um Platz für deren Tänze zu schaffen. Während der Prozession der Jungfrau sorgen sie dafür, dass Besucher ihren Respekt zollen.

 

2. Qhapaq Chuncho

Qhapaq Chuncho characters in Paucartambo St. carmen festival

Die reichen Chuncho, die Lieblinge der Jungfrau von St. Carmen, sind leicht an ihrer akribisch perfekten Gruppierung und dem Kopfschmuck aus Federn tropischer Vögel zu erkennen.

  • Sie repräsentieren die Stämme des Manu Dschungel, die von den Inkas erobert wurden.
  • Diese privilegierte Truppe hat die Ehre die heilige Jungfrau während der Prozession als Beschützer zu begleiten.
  • Sie nehmen an der finalen Kampfzeremonie teil, Seite an Seite mit den Qhapap Qolla
  • Laut Tradition würde ihr Fehlen bei den Festtagen ein Jahr Pech für die Region bedeuten.

 

3. Qhapaq Qolla

Qhapaq Qolla characters in Paucartambo St. carmen festival

Sie repräsentieren die Händler aus der „Qullasuyu“ Region des Inka-Reichs. Die weiße Maske und den quadratischen Hut der Qhapaq Qolla zu tragen, ist eine besondere Ehre.

  • Nur Einheimische der Stadt Paucartambo werden bei der Wahl der Qhapaq Qolla berücksichtigt.
  • Außerdem müssen potenzielle Mitglieder zunächst zum Herr der „Quyllur Rit’y“ pilgern – zum Berg Ausangate
  • Ihre Geschichte wird durch das Alpaka auf ihrem Rücken gekennzeichnet. In Erinnerung, dass diese Tiere genutzt wurden, um Güter zu den Qhapaq Chuncho im peruanischen Tiefland zu transportieren.
  • Sie repräsentieren mit ihren Tänzen und und Liedern außerdem die Mamacha und ehren sie damit.
  • Die Kampfzeremonie am Ende wird von Ihnen angeführt. Sie beschützen ihre geliebte Jungfrau St. Carmen.

 

4. Qhapaq Negro

Qhapaq Negro characters in Paucartambo St. carmen festival

Mit aufwendigem Kopfschmuck und stolzer Bekleidung und Akzenten aus Gold, repräsentieren die Capac Negro die Sklaven, welche über den Atlantik nach Bolivien geschickt wurden.

  • Sie wurden als Minenarbeiter für Gold und Silber geschickt. Ihr Name bedeutet „reicher Schwarzer“
  • Neben den Qhapap Qolla sind die Capac Negro die einzige Truppe mit dem Privileg Lieder für die Mamacha zu performen. Bekannt für ihre Hingabe zu ihrer Jungfrau
  • Ihr Kostüm besteht bereits seit dem allerersten St. Carmen Festival. Sie stehen als eine der wichtigsten Gruppen des Spektakels.

 

5. Majeño

Majeno characters in Paucartambo St. carmen festival

Gekleidet in Lederjacken, zweifarbigen Fliegen und weiten Hüten stechen diese langnasigen Teilnehmer vor allem wegen ihrer weniger farbenfrohen Bracht heraus.

  • Sie repräsentieren die spanischen Eroberer, welche durch Peru gezogen sind und vor allem mit Weinhandel in Arequipa ihr Lebensunterhalt verdient haben.
  • Meistens sieht man sie auf einem Pferd oder in Begleitung einer spanischen Dame. Sie trägt ein traditionelles Kleid, geflochtene Haare und eine grazil anmutende Maske.
  • Jedes Mitglied trägt in der Regel eine Flasche Cusquena Bier, welche sie freudig durch die Luft winken. Die Menge bleibt dabei vor der ein oder anderen Bierdusche nicht verschont. Ihr wurdet hiermit gewarnt!

 

6. Danza Chucchu

Danza Chucchu characters in Paucartambo St. carmen festival

Eine der interessantesten und Angst einjagendsten Gruppen sind die Danza Chucchu. Diese Tänzer tragen klebrige, gelbe Masken und stellen Fäulnis und Verfall nach.

  • Sie repräsentieren Bewohner von Paucartambo, die in den Dschungel gesandt wurden, um dort Kautschuk zu ernten, wo sie an Malaria erkrankten.
  • Während sie durch das Festival streifen, übertragen sie ihr Leiden auf Schaulustige, indem sie diese mit ihrem Sack voll gelben Pulver schlagen.
  • Krankenschwestern mit überdimensionierten Spritzen und der Tod folgen ihnen, um sie hin und wieder von ihrer Krankheit zu „heilen“, oder eben nicht.

 

7. Saqra

Saqra characters in Paucartambo St. carmen festival

Saqra bedeutet „Teufel“ oder „Böse“ in Quechua. Gekleidet wie traditionelle chinesische Dämonen, stellen diesen Gesellen die Widersacher der Jungfrau dar.

  • Wenn Zeremonie der Prozession am letzten Tage gehalten wird, sind die Saqra nie weit. Gierig nach Macht, doch nicht fähig sie direkt anzuschauen, verfolgen sie die Jungfrau, indem sie über Dächer und Balkone streifen. Jedoch, wenn St. Carmen ihnen nahe kommt, verstecken sie ihre Gesichter und verkriechen sich.
  • Sie spielen eine der Hauptrollen in der Kampfzeremonie am letzten Tag. Kämpfend und indem sie die Gefallenen auf Wagen ins Jenseits befördern.

 

Ein unvergleichliches Eintauchen in die peruanische Kultur

Das Festival von Paucartambo ist eine Erfahrung wie keine Zweite und St. Carmen das Zentrum moderner Kultur der Anden. Wer sogar Quechua sprechen kann, wird noch einiges mehr von den Einheimischen über die Bedeutung und Geschichte hinter jeder Truppe und deren Tänzen lernen. Jede Kultur kennt Mittel ihre Identität und ihr Erbe auszudrücken, doch keine wie Paucartambo.

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